Die einen trainieren lieber allein, die anderen messen sich gern mit anderen Digitale Transformation im Gesundheitsmarkt (Teil 5)

Humanoo ermöglicht betriebliche Gesundheitsförderung per App. Vertriebschefin Heike Langhanki und Personalchefin Martina Stein sprechen über die Chancen, die das digitale Training bietet, und die Personalstrategie des Start-ups.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) mit diversen Sport- und Ernährungsangeboten gibt es ja in vielen Unternehmen. Wie unterscheidet sich Ihr Angebot davon?

Heike Langhanki: Wir nutzen die Möglichkeiten des Digitalen, um passgenaue Angebote zu unterbreiten und die Teilnehmer langfristig zu motivieren. Die beiden Os in Humanoo stehen für die Verbindung von Online und Offline. Die Mitarbeiter unserer Kunden können sich über unsere App die Übungen und Programme aus mehr als 3000 Coachings aussuchen, die sie am meisten interessieren, und diese absolvieren, wann und wo es ihnen passt. Daneben belohnen wir die Mitarbeiter für gesundheitliche Aktivitäten und bringen sie in spielerischen Formaten wie Challenges zusammen. In der quartalsweisen Auswertung sieht unser Kunde dann, welche Angebote funktionieren und was er daraus ableiten kann . Da gibt es manche Aha-Erlebnisse. Nehmen wir einen Produktionsbetrieb im Schichtsystem: Die zumeist männlichen Mitarbeiter um die 50 würden nicht zum Achtsamkeitsseminar gehen. Wenn Sie aber in der App auf die Frage „Wie komme ich besser in den Schlaf?“ stoßen, schauen Sie sich das an und probieren zum Beispiel das Meditieren aus.

Martina Stein: Unsere Mitarbeiter nutzen die App natürlich auch. Manche – so wie ich – trainieren lieber allein und anonym. Andere werden erst richtig motiviert, wenn sie sich mit den Kollegen in Challenges messen können. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse kann das klassische BGM nicht erfüllen, unsere App aber schon.

Unsere Kundenbetreuer schauen ganz individuell, wie sich die Gesundheit der Mitarbeiter im Unternehmen verbessern lässt. Ohne die Digitalisierung könnte man die Effekte nicht so genau beobachten, messen und auf die Unternehmens- und Mitarbeiterbedürfnisse zuschneiden.

Heike Langhanki, Head of Corporate Sales

Und wie sieht das zweite O, die Offline-Komponente, aus?

Heike Langhanki: Wenn wir sehen, dass die Mitarbeiter an einem Standort drei Lieblingsrezepte haben, schlagen wir dem Kunden vor, dass er die Gerichte doch in seinen Kantinenplan aufnehmen soll. Oder wenn sich Rückenprobleme häufen, nehmen wir zusammen mit dem Kunden Ableitungen für die Ergonomie am Arbeitsplatz vor und empfehlen für die relevanten Mitarbeitergruppen Maßnahmen. Unsere Kundenbetreuer schauen ganz individuell, wie sich die Gesundheit der Mitarbeiter im Unternehmen verbessern lässt. Ohne die Digitalisierung könnte man die Effekte nicht so genau beobachten, messen und auf die Unternehmensbedürfnisse zuschneiden. Die Datenerhebung erfolgt natürlich nur aggregiert und nur für die Nutzer, die ausdrücklich zustimmen.

Was erwarten Arbeitnehmer heute in puncto Gesundheitsförderung von ihren Arbeitgebern?

Heike Langhanki: Die Mehrheit erwartet Gesundheitsleistungen von ihren Arbeitgebern, vor allem die Jüngeren fragen das immer mehr nach, und das zahlt dann auch auf das Thema Employer Branding ein. Die BGM-Leiter in den Unternehmen bestätigen uns diesen Trend. Das wird dazu führen, dass die von den Krankenkassen geförderten Angebote immer stärker in die Unternehmen wandern und von diesen auch gestaltet werden. Der klassische Gesundheitstag bringt kaum Partizipation und langfristige Verhaltensänderung mit einem gesünderen Lebensstil.

Martina Stein: Das passt auch zu der Entwicklung, dass Arbeitnehmer nicht mehr nur auf das Gehalt schauen, sondern auch auf soziale Leistungen und darauf, einer sinnstiftenden Arbeit nachzugehen. Für uns ist das ein großer Sellingpoint bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern: Wer für Humanoo arbeitet, trägt aktiv dazu bei, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern.

im Bild links Martina Stein, rechts Heike Langhanki

Unsere Mitarbeiter müssen mit Unklarheit umgehen können, denn Veränderung ist die einzige Konstante in einem Start-up. Eine natürliche Neugier und ein wachstumsorientiertes Mindset erleichtern das.

Martina Stein, Head of People

Was ist Ihnen bei der Mitarbeitersuche besonders wichtig?

Martina Stein: An allererster Stelle stehen für uns tatsächlich unsere Unternehmenswerte – Together, Leadership, Integrity. Daran knüpfen sich dann auch entsprechende Kompetenzen, die wir bei Humanoo besonders schätzen und auch belohnen: Kollaboration, der Wille, Verantwortung zu übernehmen und Dinge voranzutreiben, und das Bestreben, das Richtige zu tun zum Beispiel. Ein weiterer wichtiger Punkt: Unsere Mitarbeiter müssen mit Unklarheit umgehen können, denn Veränderung ist die einzige Konstante – nicht nur in einem Start-up, aber dort besonders. Eine natürliche Neugier und ein wachstumsorientiertes Mindset erleichtern das. Wer seine eigene Entwicklung aktiv in die Hand nimmt, hat auch eher Spaß daran, unser Unternehmen weiterzuentwickeln.

Hat die Corona-Krise Ihrem Unternehmen einen Boom beschert?

Heike Langhanki: Ja, die Nachfrage ist stark gestiegen, denn die Unternehmen können Betriebliche Gesundheitsförderung nicht mehr so wie bisher umsetzen. Die Offline-Angebote wie Kurse konnten nicht mehr stattfinden. Früher hieß es „Meine Mitarbeiter sind nicht digitalaffin“, jetzt überlegen sich auch diese Firmen, wie sie hybride Modelle anbieten können. Die durchschnittliche Aktivierung von 44 Prozent der Mitarbeiter spricht da klar für uns.

Martina Stein: Da brauchen wir natürlich mehr Leute. Aktuell sind wir etwa 70, bis Jahresende werden wir voraussichtlich um die 100 sein. Zu einem gesunden Wachstum gehört aber auch, dass wir unseren Mitarbeitern möglichst viel Flexibilität in ihrer Arbeitsgestaltung ermöglichen, zum Beispiel in der Wahl von Arbeitszeit oder -ort . Nach Ende der Pandemie werden viele Mitarbeiter nicht komplett ins Büro zurückkehren wollen. Wir werden also ein hybrides Modell entwickeln und dafür sorgen, dass jeder so arbeiten kann, wie es den individuellen Bedürfnissen am besten entspricht, auch mal aus dem Ausland, wenn das gewünscht ist.

Zu den Personen:
Heike Langhanki ist Diplom-Betriebswirtin. Bevor sie bei Humanoo als Head of Corporate Sales einstieg, war sie zunächst bei der Deutschen Bank, dann beim mittelständischen BGM-Anbieter ias AG tätig.
Martina Stein leitet bei Humanoo die Personalabteilung. Mit Start-ups kennt sie sich aus: Die Fachfrau für HR war zuvor bei der Recruitingberatung Interim Group und dem Chaffeurservice Blacklane beschäftigt.

Im Netz:
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Humanoo

Bildquellen:
Titelbild: istockphotos
Porträt: Melanie Greim/Humanoo


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