Arbeitnehmer wissen am besten, welche Weiterbildung zu ihren Bedürfnissen passt

Andreas Vollmer organisiert Fernlernangebote für Unternehmen und Arbeitsagenturen. Im Gespräch mit Ina Westphal erzählt er, worauf Firmen bei der Weiterbildung achten sollten und welche Kompetenzen Mitarbeitende in Zukunft benötigen.

Andreas Vollmer
Bildquelle: KCES

Ina Westphal: Sie sind Geschäftsführer der neu gegründeten Klett Education Services GmbH. Was genau macht Ihre Firma?
Andreas Vollmer: Wir bündeln alle Angebote der Fernschulen und Fernhochschulen, die zur Klett Gruppe gehören. Unternehmen sowie Agenturen für Arbeit und Jobcenter unterstützen wir dabei, in unseren 600 Weiterbildungsangeboten das Passende zu finden. Außerdem entwickeln wir maßgeschneiderte Bildungsprogramme für Unternehmen.

Welche Vorteile hat es für Unternehmen, auf Fernlernen zu setzen?
Die Arbeitnehmer können sich nebenberuflich weiterbilden und die Lernzeiten ganz individuell wählen. Einer lernt besser vormittags, der andere abends. Man muss nicht warten, bis 15 Leute an einem Ort zusammenkommen, damit ein Kurs stattfinden kann, sondern legt Startpunkt und Dauer selbst fest. Dies ermöglicht auch eine viel größere Themenvielfalt.

Es ist wichtig, zeitliche Freiräume fürs Lernen und für die Prüfungsvorbereitung zu schaffen. Das sollte nicht alles in die Freizeit verschoben werden. Auch was die Kosten angeht, hat es sich bewährt, Mitarbeiter finanziell zu unterstützen, sie aber auch einen Teil selbst tragen zu lassen.

Andreas Vollmer, Geschäftsführer Klett Corporate Education Services GmbH

Jeder lernt also für sich allein und in seinem Tempo?
Im eigenen Tempo schon, aber allein gelassen wird niemand. Wir stellen nicht nur die Lerninhalte zur Verfügung, sondern betreuen die Teilnehmenden persönlich. Für die Organisation gibt es Studienbetreuer und für die fachlichen Themen Tutoren. Außerdem vernetzen wir die Lernenden, so dass sie sich untereinander austauschen können. Dadurch und durch die webbasierten Trainings lernen die Teilnehmenden auch den Umgang mit digitalen Medien. Das geschieht alles in einem geschützten Umfeld. Man muss also nicht ängstlich sein, wenn man sich mit digitalen Anwendungen noch nicht so gut auskennt.

Was raten Sie Unternehmen, die Mitarbeitende beim eigenständigen Lernen unterstützen möchten?
Die Mitarbeitenden wissen am besten, welche Weiterbildung in welchem Format zu ihren Bedürfnissen passt. Deshalb ist ihre Beteiligung das A und O. Genauso wichtig ist es, zeitliche Freiräume fürs Lernen und für die Prüfungsvorbereitung zu schaffen. Das sollte nicht alles in die Freizeit verschoben werden. Auch was die Kosten angeht, hat es sich bewährt, Mitarbeiter finanziell zu unterstützen, sie aber auch einen Teil selbst tragen zu lassen und ist hilfreich für die Eigenmotivation. Manche Unternehmen stocken ihren Zuschuss nach erfolgreichem Abschluss auf.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Nachfrage nach Fernlernangeboten ausgewirkt?
Die Nachfrage ist weiter und deutlich gestiegen, je nach Bereich um 30 bis in bestimmten Bereichen sogar 50 Prozent. Wir registrieren dabei auch ein Umdenken: Die Unternehmen trauen ihren Mitarbeitenden mehr Eigenverantwortung beim Lernen zu. Analog zur Akzeptanz flexibler Arbeitsorte nimmt auch die Akzeptanz flexibler Lernorte zu. Fernlernen passt sehr gut in die Zeit. Wir gehen davon aus, dass der Trend auch nach den Lockdown-Phasen anhält.

Wir registrieren ein Umdenken: Die Unternehmen trauen ihren Mitarbeitenden mehr Eigenverantwortung beim Lernen zu. Analog zur Akzeptanz flexibler Arbeitsorte nimmt auch die Akzeptanz flexibler Lernorte zu.

Andreas Vollmer, Klett Corporate Education Services GmbH

Wie unterstützen Sie Arbeitsagenturen und Jobcenter?
Ca 200 der Fernlehrgänge von z.B. sgd und ILS sind förderungsfähig nach AZAV. Das heißt Arbeitsagenturen und Jobcenter können Bildungsgutscheine dafür ausgeben und übernehmen dann die kompletten Kosten. Mit einigen Agenturen und Jobcentern arbeitet die Klettgruppe schon seit 15 Jahren zusammen. Andere kennen uns noch nicht – das wollen wir ändern. Neu ist auch, dass auch die Fernhochschulen der Klett Gruppe Wilhelm Büchner Hochschule, Euro-FH und Apollon bereits Bildungsgutscheine ausgeben oder dies bald dürfen. Mit Klett Education Services können wir den Arbeitsvermittlern und ihren Kunden gezielt helfen, das Passende zu finden. Aber auch dort gilt: Die Lernenden sollten sich die Weiterbildung selbst auswählen.

Ihre Prognose: Wie wird die Wissens- und Kompetenzvermittlung für Mitarbeitende in Zukunft aussehen?
Einmal erworbenes Wissen ist schnell überholt. In Zukunft geht es immer weniger um die Qualifikation für ein bestimmtes Fachthema, sondern vor allem um den Transfer für die Anwendung des Wissens. Arbeitnehmer brauchen einen Methodenkoffer mit fächerübergreifende Skills: Wo hole ich neues Wissen her? Wie wende ich neues Wissen an? Das müssen wir schulen. Außerdem wird die Zeit, die Menschen für Weiterbildung aufwenden, zunehmen. 10 bis 15 Tage, verteilt über das ganze Jahr, erscheinen mir realistisch, wobei auch hier eine Mischform aus Arbeitszeit und Freizeit üblich sein wird. Der Staat sollte das bundesweit fördern.

Welche Kompetenzen benötigen Mitarbeitende – gleich in welcher Funktion – Ihrer Meinung nach angesichts der digitalen Transformation?
Wir brauchen Aufbaukompetenzen. Maschinen werden Menschen nicht ersetzen, aber manche Berufsbilder verschwinden, anderen werden durch digitale Elemente angereichert. Die Entwicklungszyklen werden immer enger, man muss sich stetig auf dem Laufenden halten. Das ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage der Einstellung. Auch mit über 50 ist das relevant, da kann die Wirtschaft gar nicht drauf verzichten. Alle Beteiligten sollten schauen, dass die Lernbereitschaft in der Gesellschaft gesteigert wird, dass Lernen als selbstverständlich und stetig betrachtet wird.

Zur Person:
Diplom-Kaufmann Andreas Vollmer arbeitet seit 2007 bei der Klett Gruppe, zuletzt als Geschäftsführer der Studiengemeinschaft Darmstadt. Seit Frühjahr 2021 leitet er die neu gegründete Klett Corporate Education Services GmbH.

Andreas Vollmer
Geschäftsführer
Klett Corporate Education Services GmbH
Rotebühlstraße 77 · 70178 Stuttgart
Mobil: + 49 162 2598984
E-Mail: Andreas.Vollmer@kces.education
Andreas Vollmer bei LinkedIn
Web: www.kces.education


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