Floskelalarm: Was Kandidaten in Anzeigen nicht mehr lesen wollen

Personalberaterin Ina Westphal stößt in Stellenanzeigen immer wieder auf dieselben handwerklichen Fehler. Hier erläutert sie, worauf Unternehmen beim Schreiben von Anzeigen unbedingt achten sollten.

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Eine Beraterkollegin schrieb einst in einer Kolumne für die Bilanz unter der Überschrift „Freigeister gesucht – Langeweile geboten“ darüber, dass Unternehmen in Stellenanzeigen manchmal Widersprüche produzieren, die im besten Falle für Heiterkeit und im schlechtesten Falle dafür sorgen, dass keine Bewerbungen kommen. In Zeiten von Fachkräftemangel ist das problematisch und für viele Unternehmen, die mit Bewerbermangel kämpfen, sogar fahrlässig.

So fand sich beispielsweise dieser Hinweis in einer Stellenanzeige für einen Projektleiter: „Wir bieten Ihnen viel Gestaltungsspielraum … in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung.“ Dass das neben der hier zu erwartenden gestalterischen Enge auch etwas bedrohlich wirkt, ist vermutlich den Verfassern der Anzeige nicht in den Sinn gekommen. Es beschreibt zugleich das künftige Dilemma eines potenziellen neuen Mitarbeiters. Insofern muss man dieser Anzeige zumindest zugutehalten, dass sie für Klarheit sorgt.

Was sich der Verfasser der folgenden Zeilen in einer Anzeige für eine kaufmännische Funktion (Sachbearbeitung) dachte, wissen wir nicht. „Sie sind detailorientiertes Arbeiten gewohnt, verfügen über kreatives Denken und Arbeiten.“ Natürlich schließen sich Kreativität und Detailorientierung per se nicht aus, trotzdem ist auch das für Kandidatinnen und Kandidaten unauflösbar und zumindest in einem Bewerbungsgespräch zu hinterfragen: Soll ich nun den Blick für das Detail oder eher den ganzheitlichen Blick im Sinne einer kreativen Arbeitsweise haben?

Weitere Textperlen verbergen sich hinter „Befähigung und Bereitschaft zur Führung eines Dienst-KFZ“. Dass ein PKW-Führerschein erwartet wird, hätte es auch getan, und unter Angebot hätte sich „Dienstwagen als weiterer Vertragsbestandteil“ vielleicht ebenfalls gut gemacht.
Oder: „Unsere Mitarbeiter verfügen über höchste Kompetenz … und verstehen jeden Tag als Chance, die Zukunft aktiv zu gestalten.“ Das verheißt einen sehr anstrengenden Job.
„Bei XY-Firma arbeiten Sie bei einem der bedeutendsten XY-Büros Deutschlands.“ Wenn das Unternehmen nur 100 Mitarbeiter hat, stellt sich für Interessierte die Frage, wie glaubwürdig solche Aussagen sind.

Und es ist prinzipiell einmal zu überdenken, ob es nicht zum allgemeinen Skill-Set eines jeden Mitarbeiters – sofern er nicht in einem Ein-Mann-Unternehmen arbeitet – gehört, teamfähig zu sein, mit kooperativem Arbeitsstil, hoher Einsatzbereitbereitschaft und Aufgeschlossenheit. Jedes Unternehmen, egal in welcher Branche oder auf welcher Ebene, benötigt Fachkräfte mit diesen Eigenschaften und Kompetenzen. Und wenn dies Selbstverständlichkeiten sind, dann kann der wertvolle Platz in einer Stellenanzeige für die wirklich relevanten, weil auf die Position bezogenen Qualifikationen, genutzt werden.

Unsere 7 schnellen Tipps für eine „anregende“ Stellenanzeige

  • Das Wichtigste zuerst:
    Nutzen Sie den ersten Abschnitt Ihrer Stellenanzeige, um die wesentlichen Vorteile der Stelle hervorzuheben. So bleibt der Leser interessiert und liest weiter.

  • Verständlicher JobticryptoTel:
    Vermeiden Sie überhöhende, blumige oder bizzare Jobtitel. Ein „Head of Irgendwas“ ohne echte (Führungs-)verantwortung wird schnell durchschaut. Ebenso ein „Guru“ oder „Rockstar“.

  • Vier-Augen-Prinzip beachten:
    Lesen Sie den Anzeigentext unter dem Gesichtspunkt, ob Sie sich selbst auf die Stelle bewerben würden. Sind Selbstverständlichkeiten formuliert? Sind die Anforderungen an der Tätigkeit ausgerichtet? Hier hilft durchaus der kritische Blick einer fachfremden Person.

  • Widersprüche und Selbstverständliches meiden:
    Unbedingt darauf achten, keine sich ausschließenden Anforderungen zu formulieren. Genauso sind Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft und soziale Kompetenz heute in Jobs selbstverständlich.

  • Weniger ist mehr:
    Formulieren Sie wenige Hauptaufgaben, relevante Anforderungen, spezielle Qualifikationen, die beispielsweise unerlässlich für die Position sind. Alles Weitere lässt sich im Gespräch mit der Kandidatin oder dem Kandidaten klären.

  • Atmosphäre zeigen:
    Klingt simpel, ist es aber nicht. Die Stellenanzeige sollte etwas über das Unternehmen erzählen, die Atmosphäre im Unternehmen anklingen lassen.

  • Lebendigen Wortschatz benutzen:
    Verwenden Sie weniger Substantivierungen wie „Sicherstellung der Erreichung der Umsatzziele“, sondern stattdessen aktive, anregende Formulierungen.

Interessant für: #Kandidaten #Personalentscheider
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