„Es war die Hoffnung auf bessere Gestaltungsmöglichkeiten“

Welche Chancen der bewusste Karriereschritt von einem Großkonzern zu einem mittelständisches Unternehmen eröffnet, weiß Dr. Frank Düx aus eigener Erfahrung. Er ist Geschäftsführer bei einem Apotheken-Großhändler.

Frank Duex
©Quelle privat

Herr Dr. Düx, was hat Sie dazu bewogen, von einem international agierenden Pharmakonzern in den eher regional tätigen Mittelstand zu wechseln?
Einfach gesagt, es war die Hoffnung auf bessere Gestaltungsmöglichkeiten. Ideen im Markt zum Erfolg zu bringen, war immer eine große Motivation für mich. Dies ließ sich in einem Großkonzern mit der zunehmenden Bürokratisierung immer schlechter umsetzen. Diese Hoffnung hat sich bestätigt. Natürlich habe ich heute ganz andere Budgets zur Verfügung. Aber Geld ist eben nicht alles. Noch heute bin ich immer wieder überrascht, wie schnell mein Team Projekte und Initiativen in hoher Qualität umsetzen kann.

Natürlich habe ich heute ganz andere Budgets zur Verfügung. Aber Geld ist eben nicht alles. Noch heute bin ich immer wieder überrascht, wie schnell mein Team Projekte und Initiativen in hoher Qualität umsetzen kann.

Was ist die besondere Arbeitsweise Ihres Unternehmens?
PROVEN ist ein Apotheken-Großhandel für Hilfsmittel wie Kompressionsstrümpfe und Bandagen. Für Apotheken ist das bekanntlich häufig nur eine Nebentätigkeit. So ist es unsere Aufgabe als Großhändler, nicht nur die reine Logistik der Ware zu organisieren, sondern vielmehr den Kunden mit Sachkompetenz und Services die Versorgung der Patienten zu erleichtern. Da jede Apotheke dabei andere Herausforderungen hat, ist es entscheidend, erstens immer wieder neue Ideen zu haben und zweitens diese auch schnell umzusetzen. Wir nennen uns deswegen auch bewusst: Der Beratungsgroßhandel.

Was sind die größten Risiken bei dieser Vorgehensweise?
Das große Risiko bei diesem Weg ist es, dass man sich schnell verzetteln kann. Strategisch nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren, ist dabei entscheidend. Zweitens fordert es ein Team sehr, wenn immer wieder neue Lösungsansätze und Initiativen im Markt implementiert werden sollen. Man muss aufpassen, dass man darüber seine Mitarbeiter nicht verliert. Zum Glück lebt unser ganzes Team diese Art von Serviceverständnis und Innovationsbereitschaft.

Strukturelle Veränderungen haben immer direkten Einfluss auf das Leben und die Familien der Mitarbeiter. Das erfährt man beim Mittelständler unmittelbarer

Worin unterscheidet sich die Führungsaufgabe heute im Mittelstand von der im Konzern? Was mussten Sie neu lernen?
Ich erlebe Führung individueller und persönlicher. Man erfährt auch die Verantwortung für seine Mitarbeiter konkreter. Strukturelle Veränderungen haben immer direkten Einfluss auf das Leben und die Familien der Mitarbeiter. Das erfährt man beim Mittelständler unmittelbarer. Dabei war meine Lernkurve in den vergangenen Jahren enorm. Als Mittelständler habe ich eben keine Fachabteilung, die mir zuarbeitet. So sehr, wie ich dies an manchen Stellen vermisst habe, so musste ich mir dieses Wissen eben selbst erarbeiten.

Was können Sie anderen raten, die ähnliche Schritte erwägen und vom Big Player in den Mittelstand wechseln wollen?
Ich glaube, dass dies eine sehr persönliche Entscheidung ist. Am Ende sollte man danach entscheiden, wo man gut ist und was einen motiviert. Allerdings muss man sich bewusst machen, was so ein Wechsel in seiner gesamten Fülle bedeuten kann. Im Mittelstand zu arbeiten heißt auch mal, sehr operativ tätig zu sein. Wer Freude an der internationalen Zusammenarbeit hat, sollte sich auch einen solchen Arbeitgeber suchen. Einen generellen Rat gibt es also nicht, sondern am Ende müssen die Herausforderung der Position und die Eigenarten des Arbeitgebers mit den eigenen Fähigkeiten, Vorstellungen und Motivationen zusammenpassen.

Welche Themen treiben Sie derzeit um?
Die Versorgung mit Hilfsmitteln, insbesondere Kompressionsstrümpfen, ist heute noch geprägt durch einen hohen Grad an manueller Tätigkeit. Dies hat in Zeiten des Fachkräftemangels und des zunehmenden Kostendrucks Folgen für die Versorgung von Patienten. Optimierte Prozesse, etwa durch Digitalisierung, können hier helfen. Nach meiner Meinung werden wir zukünftig nicht mehr Produkte, sondern Workflows verkaufen. Diesen Change-Prozess wollen wir mitgestalten. Wir haben nicht die „Big Budgets“ und auch nicht die Manpower von Großkonzernen, aber wir versuchen trotzdem, mit Kreativität Trendsetter zu sein und eben immer dem Wettbewerber eine Idee voraus zu sein. Bis jetzt ist uns das ganz gut gelungen. Aber es heißt eben auch, nie aufzuhören, nie nachzulassen, immer besser zu werden.

Zur Person
Frank Düx (geboren 1969) ist Biologe. Nach seinem Studium an der Universität Bonn und einer Promotion am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie führten ihn seine Freude an der Arbeit mit Menschen und sein Interesse für Marketing in die Industrie. 13 Jahre war er für einen internationalen Pharma-Großkonzern als Produktmanager und Marketingdirektor tätig, ehe er 2013 zu einem mittelständischen Unternehmen wechselte. 2017 wurde er zum Geschäftsführer bestellt.


Interessant für: #Kandidaten
Zurück zur Übersicht

Auf unserer Website werden Technologien (z. B. Cookies) verwendet, die benutzerbezogene Daten erheben. Wir stellen so sicher, dass unsere Website fehlerfrei genutzt werden kann. Wählen Sie den Button »Grundlegende Zustimmung«, damit nur essentielle Cookies zugelassen und keine Informationen an Dritte weitergegeben werden. Sie unterstützen uns bei der Verbesserung unseres Angebotes, indem Sie auf »Erweiterte Zustimmung« klicken und so der Datenverarbeitung, auch durch Dritte, zustimmen. Unter »Einstellungen zu Cookies und weiteren Technologien« im Footer der Website können Sie Ihre erweiterte Zustimmung jederzeit widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.