Wie arbeiten Karriereberater und was bringt mir das?

Die Angebote der Karriereberatung im deutschsprachigen Raum reichen von Coaching über Reverse Headhunting bis Outplacement. Wir stellen die wichtigsten Arten der Karriereberatung vor und sagen, worauf Sie achten sollten, bevor Sie einen Berater oder eine Beraterin beauftragen.

Karriereberater begleiten Menschen, die sich beruflich verändern möchten. Sie helfen ihnen dabei, ihre Potenziale zu erkennen und sich weiterzuentwickeln. Ob am Ende des Prozesses ein besser bezahlter Job, eine erfüllende Aufgabe oder etwas anderes stehen soll – das ist sehr individuell.

Während Personalberater im Auftrag eines Unternehmens aktiv auf Kandidaten zugehen (mehr dazu in diesem Artikel), gehen Karriereberater umgekehrt vor. Sie unterstützen Arbeitnehmer oder Arbeitsuchende dabei, sich beruflich neu zu orientieren, dabei aktiv mit ihrer Bewerbung auf Unternehmen zuzugehen. Der Markt ist heterogen und Karriereberatung kein klar umrissenes Aufgabengebiet. Die wichtigsten Formen der Karriereberatung im Überblick.

  1. Beratung und Coaching: Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung
    Diese Form der Karriereberatung ist am häufigsten zu finden. Hier wird der Kandidat unterstützt, indem in Phase 1 zunächst die beruflichen Ziele geklärt und Möglichkeiten der Neuorientierung ausgelotet werden. In Phase 2 werden die Unterlagen des Kandidaten ausführlich überarbeitet und auf die neue Situation angepasst. In der Regel mit der Überarbeitung des Lebenslaufes und dem Einholen weiterer Referenzen. In Phase 3 wird der Markt sondiert, also Branchen ermittelt, Zielfirmenlisten erstellt. In Phase 4 werden Firmen ausgewählt, bei denen der Kandidat sich bewirbt, und die Unterlagen entsprechend individualisiert. In Phase 5 – wenn es Bewerbungsgespräche gibt – finden Bewerbungstrainings statt. Der Karriereberater begleitet in der Regel bis zu Vertragsverhandlungen.
    Karriereberatung und -coaching ist für alle Kandidaten geeignet, unabhängig vom Expertenlevel und der hierarchischen Einstufung. Zu klären ist immer die genaue Erwartungshaltung und Situation des Kandidaten auf der einen Seite und die Qualifikation, das Netzwerk und die Erfahrung des Beraters auf der anderen Seite. Wenn beides zusammenpasst, kann ein Karriereberater schnell und unkompliziert helfen.

  2. Reverse/Inverse Headhunting: Vermittlung an einen neuen Arbeitgeber
    Diese Form der Karriereberatung ist noch recht jung und wird deshalb noch nicht so häufig angeboten. Neben den oben beschriebenen Leistungen bietet der Karriereberater sein Netzwerk an Firmenkontakten mit an. Das heißt, er macht es sich zur Aufgabe, den Kontakt zu Firmen herzustellen und den Kandidaten dort aktiv vorzustellen. Da er vom Kandidaten bezahlt wird, wird er auf relativ offene Ohren bei den Firmen stoßen, denn sie müssen für diese Form der Vermittlung in der Regel kein Honorar zahlen. Seriöse Berater zumindest verlangen nicht von zwei Seiten Honorar.
    Inverses Headhunting ist eine aufwändige, rechercheintensive Dienstleistung und meist mit relativ hohen Kosten verbunden. Sie in Anspruch zu nehmen, lohnt sich erst ab bestimmten Gehaltskategorien und Hierarchiestufen.

  3. Outplacement: Standardisierte Betreuung nach einer Kündigung
    Eine dritte Variante der Beratung von Kandidaten ist das Outplacement. Hier gibt es im Markt jede Menge kleine und einige große Firmen. Allen gemeinsam ist, dass der Auftraggeber dieser Dienstleistung meist ein Unternehmen ist, das dem Kandidaten kündigt. In der Regel weil ein Unternehmen in größerem Maßstab Personal abbaut und als Teil des Sozialplanes Outplacement anbietet. Es kann aber auch die Kündigung einer Führungskraft sein, der man als Teil des Aufhebungsvertrages ein Outplacement anbietet. Die Leistungen der Outplacement-Berater sind eher den unter Punkt 1 beschriebenen Leistungen zuzuordnen.
    Hier hängt viel von der „Eigenleistung“ der Kandidaten ab, denn meist wird die Outplacement-Beratung mit einem festgelegten Mindesthonorar oder einer pauschalen Vergütung bezahlt – unabhängig vom Ergebnis. Wir von Hellmund hören häufiger von Kandidaten, dass sie mit hohen Erwartungen in die Beratung hineingehen, aber wegen der hohen Standardisierung und der Tatsache, dass kein Jobhunting angeboten wird, keine wirklichen Erfolge verzeichnen.

Wie Sie die Qualität eines Karriereberaters prüfen

Egal, mit welcher Form der Karriereberatung Sie es zu tun haben, wenn Sie die Güte der Leistungen prüfen wollen, sollten Sie folgende Fragen durchgehen:

Bei der Recherche/Vorbereitung

  • Macht der Berater oder die Beraterin auf seiner/ihrer Firmenwebsite einen seriösen Eindruck? Oder macht er/sie unhaltbare Versprechen? Seien Sie bei einer zu verkäuferischen Aufmachung misstrauisch.
  • Gibt es die Möglichkeit, einen Kennenlerntermin zu vereinbaren? Gute Berater bieten diese Möglichkeit kostenfrei an.
  • Überlegen Sie sich vor dem ersten Gespräch, was sie wissen wollen. Sicher sind die Modalitäten und die Kosten wichtige Informationen, die Sie in Ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Was ist Ihnen noch wichtig?

Beim ersten Kennenlernen

  • Welchen Eindruck macht der/die Berater/in auf Sie? Wie seriös wirkt er/sie, wie erfahren und kompetent kann er/sie Fragen beantworten?
  • Stimmt die Chemie zwischen Ihnen? Haben Sie einen Draht zueinander? Bei aller fachlichen Qualifikation, wenn diese Komponente nicht stimmt, dann sollten Sie von dem/der Berater/in Abstand nehmen.
  • Will Ihnen der Berater oder die Beraterin eher Coachings und Seminare verkaufen oder will er/sie mit Ihnen individuell arbeiten?
  • Welche Methode (also Beratung/Coaching oder Inverse Headhunting) ist die richtige für Sie? Da man diese Frage in der Regel nicht allein beantworten kann, sollte das Erstgespräch (natürlich kostenfrei) darüber Auskunft geben.
  • Klären Sie im Vorfeld genau, welche Leistungen der Karriereberater oder die Karriereberaterin erbringt. Entspricht das Ihren Wünschen und Ihrem Bedarf? Vereinbaren Sie gemeinsam ein Ziel – was kann der Karriereberater wirklich leisten?
  • Welche Referenzen kann er/sie geben, welche Referenzprojekte benennen? In der Regel erfolgt das aus Datenschutzgründen anonym, jedoch kann man anhand der Details schnell feststellen, ob relevante Erfahrungen vorliegen.
  • Lassen Sie sich ein detailliertes Kostenangebot erstellen. Fordern Sie in allen Phasen der Beratung Transparenz über die aufgelaufenen Kosten und vereinbaren Sie das vertraglich.

Während der gemeinsamen Arbeit

  • Erhalten Sie eine realistische Einschätzung Ihres Marktes/Ihrer Branche und Ihrer Chancen? Wie hat die Beraterin/der Berater die Recherche organisiert, um für Sie Marktinformationen zu generieren?
  • Wie detailliert und aussagefähig ist die Zielfirmenliste? Finden sich darauf nur die „üblichen Verdächtigen“ der Branche oder hat er/sie mit Ihnen auch neue Ideen für Zielfirmen erarbeitet?
  • Wie und nach welchen Prinzipien werden Ihre Unterlagen bearbeitet? Geht es hier ausschließlich ums Marketing oder die Optik? Oder geht die Analyse tiefer? Wirkt die Überarbeitung standardisiert oder auf Ihre persönliche Situation zugeschnitten?
  • Sollen Ihre Bewerbungsunterlagen an alle Headhunter in Deutschland oder alle Unternehmen der Branche versandt werden, frei nach dem Motto „Ein Schuss wird schon sitzen“? Oder empfiehlt der/die Berater/in Ihnen, jede Bewerbung individuell zu verfassen und sich gezielt an einzelne Unternehmen zu wenden?
  • Mit welchen Methoden möchte der/die Berater/in Sie aus Ihrer derzeitigen beruflichen Sackgasse führen? Hier gilt allerdings auch, dass Sie Ihrerseits bereit sein sollten, eingetretene Pfade zu verlassen. Widersprechen Sie deshalb nicht sofort, wenn ein ungewöhnlicher Lösungsvorschlag kommt. Seien Sie offen.
  • Wieviel Eigenverantwortung wird von Ihnen verlangt? Karriereberatung ist „Hilfe zur Selbsthilfe“. Will der Berater oder die Beraterin Ihnen alles abnehmen oder für Sie erledigen, ist Vorsicht angesagt.
  • Wie steht er/sie zu Karrierenetzwerken und Ihrer Darstellung dort? Erhalten Sie ehrliches Feedback zu Ihrer digitalen Identität?
  • Fühlen Sie sich gut auf Bewerbungsgespräche vorbereitet?

Expertin für Karriereberatung

Sylvia Peschke-Büschel bietet Karriereberatung in Berlin und Potsdam. Sie begleitet Fach- und Führungskräfte bei der beruflichen (Neu-) Orientierung und unterstützt bei der Jobsuche. Ihre Kontaktdaten und weitere Informationen finden Sie auf ihrer Website.

Bewerbungsgespräch per Video

Sie wurden zum Videointerview eingeladen? Auf diese Dinge sollten Sie achten, damit Sie auch digital einen guten Eindruck hinterlassen.

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