Durch Netzwerken zum neuen Job:
Wie Kontakte Türen öffnen.
Gute Kontakte schlagen klassische Stellenanzeigen. Einen Großteil aller Stellen besetzen Unternehmen über den verdeckten Arbeitsmarkt und über persönliche Empfehlungen. Karriereberaterin Sylvia Peschel-Büchel beschreibt, wie ein Jobwechsel über das eigene Netzwerk gezielt gelingt. Sie verrät, wie Bewerbende passende Ansprechpartner:innen finden und das eigene Profil wirksam aktivieren können.
Kennen auch Sie Menschen, die ihre Jobs über Beziehungen bekommen haben? Stellen, die nicht ausgeschrieben waren? Wahrscheinlich denken Sie jetzt, dass nur wenige Menschen dieses „Vitamin B“ besitzen und Sie selbst leider nicht zu den Glücklichen gehören … Ich möchte Sie vom Gegenteil überzeugen.
In Portalen greifen tausende Kandidaten auf dieselbe Stelle zu
Es gibt viele verschiedene Gründe, sich nach einem neuen Job umzusehen: Unzufriedenheit mit der alten Arbeitsstelle, ein Mangel an Aufstiegsmöglichkeiten oder der berufliche Wiedereinstieg nach einer längeren Auszeit sind nur einige davon. Was tun die meisten von uns? Sie aktualisieren den alten Lebenslauf und beginnen dann in der Regel mit der Jobsuche im Internet. Auf den einschlägigen Portalen lassen sich oft tatsächlich passende Angebote finden. Größter Nachteil hierbei: Genau wie Sie sind zeitgleich tausende Kandidaten auf derselben Seite und bewerben sich auf dieselben Stellen.
Wie also können Sie Ihre Jobsuche erfolgreich ausweiten und für sich zusätzliche Möglichkeiten erschließen? 65 Prozent aller Stellen in Deutschland werden nicht ausgeschrieben. Im Führungsbereich wird der Anteil sogar auf 80 Prozent geschätzt.
Personalentscheider suchen oft erst im eigenen Netzwerk
Die Bundesagentur für Arbeit hat ermittelt, dass 65 Prozent aller Stellen in Deutschland gar nicht ausgeschrieben werden, im Führungsbereich wird von 80 Prozent gesprochen. In diesem Zusammenhang spricht man vom sogenannten „verdeckten Arbeitsmarkt“.
Ziel von Arbeitgebern ist es, den oder die Richtige für eine Position zu finden und das beinhaltet immer ein gewisses Restrisiko, doch den falschen Kandidaten einzustellen. Also rekrutieren Personalentscheider gerne entweder innerhalb des eigenen Unternehmens, weil sie die oder den betreffenden Mitarbeiter bereits kennen, oder sie hören sich in ihrem Netzwerk um.
Sie kennen nicht nur Freunde und Bekannte
Genau das ist das Stichwort! Auch Sie können gut netzwerken, um bei Ihrer Jobsuche ans Ziel zu gelangen. Falls Sie jetzt nachdenken, welche potenziellen Arbeitgeber oder Entscheidungsträger Sie kennen, sollten Sie kurz innehalten und umdenken: Sie kennen nicht nur Freunde und Bekannte, sondern ehemalige Kollegen und Chefs, andere Eltern in der Schule, Menschen aus der Nachbarschaft oder im Sportverein, treffen immer wieder dieselben Personen beim Spazieren mit dem Hund oder begegnen zum Beispiel auf einer Geburtstagsfeier einem anderen Gast, der ganz nebenbei erzählt, dass sein Unternehmen wächst und für einen bestimmten Bereich Personal sucht. All diese Menschen sind selbst Arbeitnehmer oder sogar Arbeitgeber – und sie alle könnten erfahren, dass Sie aktiv auf Jobsuche sind und in welchem Bereich Sie suchen.
Netzwerken hat enorm viel mit der Freude zu tun, andere Menschen kennenzulernen und zu unterstützen.
Sylvia Peschke-Büchel
Setzen Sie Ihr privates Netzwerk auch beruflich ein
Es geht darum, dass Sie Ihr privates Vernetzen, was Sie ja wirklich längst tun, auch beruflich einsetzen. Netzwerken heißt, ein Ehrenamt zu übernehmen und damit zu zeigen, über welche Fähigkeiten Sie verfügen: zum Beispiel die Vereinswebsite gestalten. Oder halten Sie Vorträge über ein interessantes Thema, präsentieren Sie einen Reisebericht! Schreiben sie Leserbriefe, kleine Artikel in regionalen Zeitungen über ein Herzensprojekt oder kommentieren Sie einen Blogbeitrag. Netzwerken hat enorm viel mit der Freude zu tun, andere Menschen kennenzulernen und zu unterstützen.
Nutzen Sie deshalb auch Veranstaltungen (Unternehmerfrühstück, Alumni-Treffen, Picknick mit anderen Eltern) oder kreieren Sie selbst Anlässe, zu denen Sie interessante Menschen einladen, um diese besser kennenzulernen. Das gemeinsame Frühstück mit Nachbarn oder die Gartenparty sind nur zwei von vielen Möglichkeiten. Es ist im Grunde genommen einfach und vieles machen Sie unbewusst schon richtig.
Wann es sinnvoll ist, einen Karrierecoach ins Boot zu holen
Sollten Sie den verdeckten Stellenmarkt systematisch nutzen und das dort verborgene Potenzial für sich heben wollen, kann ein Karrierecoach Sie dabei unterstützen. Professionelle Beratung kann sinnvoll für Sie sein, …
… wenn Sie verstehen wollen, wie Netzwerke im Allgemeinen funktionieren und Ihr Netzwerk im Besonderen,
… wenn Sie erkennen möchten, welches Potenzial Ihre Kontakte haben und wie Sie Ihr Netzwerk erweitern können,
… wenn Sie kurzfristig und zielführend für den verdeckten Stellenmarkt sichtbar werden wollen.
10 wichtige und zeitlose Tipps für erfolgreiches Networking
- Reaktivieren Sie Kontakte aus allen Lebensphasen.
Besinnen Sie sich auf ihr großes Netzwerk, das aus Mitschülern, Studien- oder Ausbildungskollegen, Lehrern, Dozenten, Nachbarn und vielen weiteren Menschen besteht. Gehen Sie Ihre Lebensphasen systematisch durch. Und vernetzen sie sich via sozialen Medien mit diesen Personen. - Entdecken Sie Branchen- oder Themennetzwerke für sich.
Überlegen Sie, für welche Themen Sie stehen und in welchen Netzwerken Ihre Beteiligung beruflich vorteilhaft sein könnte. Der Markt ist riesig, aber in Ihrer jeweiligen Branche gibt es sicher einen Verband, der auf seinen Seiten Brancheninformationen und Hinweise auf einschlägige Netzwerke liefert. Besuchen Sie Branchen-Veranstaltungen und tauschen Sie sich mit anderen Teilnehmern über berufliche Schnittmengen aus. Fassen Sie so gewonnene Kontakte zügig nach, nichts ist schlimmer, als danach abzutauchen oder Kontakte im Sande verlaufen zu lassen. - Vernetzen Sie sich mit Männern und Frauen gleichermaßen.
Auch wenn es frauenzentrierte Netzwerke gibt, so sollten Sie als Frau für Ihr berufliches Fortkommen in jedem Falle auch mit Männern in Kontakt treten oder sie anregen, sich ihrem Netzwerk anzuschließen. Das gleiche gilt andersherum: Ein reiner Männerbund bringt Sie heutzutage nirgendwo mehr hin. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Vielfalt der Netzwerkpartner. - Bitten Sie um ein Intro, wenn Sie einen bestimmten Kontakt suchen.
Wenn Sie einen wichtigen Netzwerkkontakt kennenlernen möchten, sie aber bisher noch nicht in direktem Kontakt standen oder diese Person gar „unerreichbar“ scheint, können Sie Folgendes tun: Bitten Sie einen Ihrer Kontakte, der mit dieser Person bekannt ist, um ein Intro, also um eine Vorstellung, damit Sie sich vernetzen können. Das geht gut in LinkedIn. - Hören Sie zu, suchen Sie nicht nur eine Resonanzfläche für Ihre Erfolge.
Beim Netzwerken ist Zurückhaltung wichtig. Preisen Sie also beim Erstkontakt nicht die eigenen Dienstleistungen an und überfallen Sie Ihr Gegenüber auch nicht mit heiklen Fragen. Kennenlernen ist das Gebot der Stunde. - Rechnen Sie Gefälligkeiten nicht gegeneinander auf.
Sehen Sie das Netzwerk nicht als bloße „Gewinnmaschine“, sondern seien Sie bereit, etwas zu geben, ohne direkt eine Gegenleistung zu erhalten. Das ist eines der elementarsten Prinzipien für erfolgreiches Networking. Denn wer das Gefühl hat, von seinem Gegenüber instrumentalisiert zu werden, wird sich zurückziehen. - Verzichten Sie auf Lobhudeleien.
Wenn Sie einen Kontakt zu Ihrem Netzwerk hinzufügen möchten, sollten Sie den schmalen Grat aus Freundlichkeit und übertriebener Schmeichelei nicht überschreiten. Bleiben Sie professionell freundlich und wertschätzend. Aber seien Sie vorsichtig mit zu viel Lob und exzessiven Komplimenten. - Stellen Sie sich nach einer längeren Pause erneut vor.
Eine Gefahr besteht darin, dass man nach einem sehr angenehmen Erstkontakt mit einem Netzwerkpartner davon ausgeht, dass der Kontakt ja nun enger ist. Gibt es dann aber eine längere „Sendepause“, weiß Ihr Netzwerkpartner vielleicht nicht sofort, wer Sie sind. Geben Sie deshalb ein bisschen Starthilfe. Erläutern Sie, woher Sie sich beide kennen oder wo Sie sich gesehen haben. - Seien Sie verbindlich, antworten Sie zügig.
Wenn Sie aus Ihrem Netzwerk angefragt werden und jemand Sie um Auskunft oder Hilfe bittet, heißt das zwar nicht, dass Sie für jede Anfrage auch eine Lösung parat haben müssen. Aber antworten Sie zügig und begründen Sie, warum Sie gerade vielleicht nicht unterstützen können. - Vertiefen Sie wichtige Kontakte.
Es wird die Regel sein, dass Sie mit vielen Netzwerkpartnern einmalig Kontakt haben und sich dann erst ein Thema ergeben muss, um erneut Kontakt aufzunehmen. Aber bei Netzwerkpartnern, die für Sie beruflich eine entscheidende Bedeutung haben, sollten Sie darauf achten, die Kontakte zu pflegen. Nutzen Sie Gelegenheiten, auf interessante Artikel zu verweisen, sie mit anderen spannenden Menschen zu vernetzen, bei beruflichen Veränderungen zu gratulieren oder (falls negative Entwicklungen sichtbar sind) nachzufragen, ob Sie helfen können. Sie werden sehen, dass die Resonanz groß sein wird.