Halo-Effekt: Von Glanzpunkten, die unsere Wahrnehmung trüben

Sie sind sicher schon Menschen begegnet, bei denen ein Merkmal oder eine Sache Sie besonders beeindruckt hat? Wenn das Ihr Urteil über die Person positiv oder negativ beeinflusst hat, dann hat Sie wohl der “Halo-Effekt” geblendet.

Der Halo-Effekt beschreibt eine Wahrnehmungsverzerrung, auch kognitive Verzerrung genannt. Hierbei nehmen wir ein hervorstechendes Merkmal – positiv oder negativ – besonders deutlich wahr. Es kann dazu führen, dass es unseren Gesamteindruck zur Person dominiert und andere Merkmale überlagert. Gerade in Situationen, in den wir uns schnell entscheiden müssen, wie das zumeist bei Einstellungsgesprächen/Auswahlgesprächen der Fall ist, orientieren wir uns daran, was so deutlich hervorsticht. Und das wiederum hat Einfluss auf unser Urteil. Und – im schlimmsten Falle – auch auf unsere Entscheidungen. Natürlich kann sich niemand ganz frei davon machen. Und Hand aufs Herz: Jedem fällt mindestens eine Situation im Arbeitsalltag ein, bei der seine Wahrnehmung derart dominiert wurde und er/sie sich von einem (Attraktivitäts-)Merkmal hat blenden lassen:

Was Sie vielleicht positiv wahrnehmen:

  • „Ah, der Mann spielt Kreisliga-Fußball! Das muss ein Teamplayer sein.
  • „Spannend, da hat sie sogar zwei Masterabschlüsse und ein drittes Nebenfach studiert, das muss ja sehr anstrengend gewesen sein. Und parallel im Beruf weitergearbeitet…“
  • „Klasse Typ, der stellt sich hier im Anzug vor, macht ja heute auch nicht mehr jeder.“

Was Sie vielleicht negativ wahrnehmen:

  • „Meine Güte, der ist ja komplett tätowiert!“
  • „Die Frau spricht so langsam, da werde ich schon beim Zuhören ganz kribbelig. Die Frau kann ich doch nicht auf meine Kunden loslassen“

Was können Sie im Auswahlverfahren oder Einstellungsinterview tun?

  1. Ihnen ist klar, dass Sie in diese Wahrnehmungsfalle auch schon getappt sind? Gut so. Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, dass wir davor alle nicht gefeit sind. So wahrzunehmen geht schnell, spart Zeit. Führt uns aber auch in die Irre.
  2. Sie haben erkannt, was Sie bei der Person konkret angesprochen hat? Sie sollten zunächst daraus keine Schlüsse ziehen und notieren Sie sich, was Sie hören oder sehen.
  3. Hat das Merkmal irgendeine Relevanz für die Tätigkeit (Anforderungsbezug)? Beispiel: So wird eine Ganzkörpertätowierung, die auch mit Bekleidung sichtbar ist, bei der Polizei ein (Ausschluss-)Kriterium sein, in einer Werbeagentur aber beispielsweise nicht. Wenn es für die Tätigkeit irrelevant ist, dann ignorieren Sie es.
  4. Sie führen Ihre Einstellungsgespräche grundsätzlich zu zweit? Das Mehr-Augen-Prinzip kann schon vor Fehleinschätzungen und -urteilen schützen.

Grundsätzlich gilt: Haben Sie die Anforderungen für die Vakanz genau definiert und überprüfen Sie diese in unterschiedlichen Übungen/Interviewkonstellationen, dann schließen Sie damit weitgehend aus, dass oberflächliche Merkmale zum Tragen kommen.


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