5 Fragen an ... Dr. Frank Düx, Geschäftsführer PROVEN Service & Diagnostik GmbH

Warum der bewusste Karriereschritt aus einem Großkonzern in ein mittelständisches Unternehmen kein Karriereknick sein muss, sondern neue Chancen, Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

Foto privat

Herr Dr. Düx, was hat Sie dazu bewogen, von einem international agierenden Pharmakonzern in den eher regional tätigen Mittelstand zu wechseln und was haben Sie sich davon versprochen?

Einfach gesagt, es war die Hoffnung auf bessere Gestaltungsmöglichkeiten. Ideen im Markt zum Erfolg zu bringen, war immer eine große Motivation für mich. Dies ließ sich in einem Großkonzern mit der zunehmenden Bürokratisierung immer schlechter umsetzen. Diese Hoffnung hat sich auch bestätigt. Natürlich habe ich heute ganz andere Budgets zur Verfügung. Aber Geld ist eben nicht alles. Noch heute bin ich immer wieder überrascht, wie schnell mein Team Projekte und Initiativen in hoher Qualität umsetzen kann.

Was ist die besondere Arbeitsweise ihres Unternehmens und mit welchen Risiken sind Sie in Ihrer Arbeit konfrontiert?

PROVEN ist ein Apotheken-Großhandel für Hilfsmittel, wie Kompressionsstrümpfe und Bandagen. Für Apotheken ist das bekanntlich häufig nur eine Nebentätigkeit. So ist es unsere Aufgabe als Großhändler nicht nur die reine Logistik der Ware zu organisieren, sondern vielmehr den Kunden mit Sachkompetenz und Services ihre Arbeit mit der Patientenversorgung zu erleichtern. Da jede Apotheke dabei andere Herausforderungen hat, ist es entscheidend, erstens immer wieder neue Ideen zu haben und zweitens diese auch schnell umsetzen zu können. Wir nennen uns deswegen auch bewusst: Der Beratungsgroßhandel.
Das große Risiko bei diesem Weg ist es, dass man sich schnell verzetteln kann. Strategisch nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren, ist dabei entscheidend. Zweitens fordert es ein Team sehr, wenn immer wieder neue Lösungsansätze und Initiativen im Markt implementiert werden sollen. Man muss aufpassen, dass man darüber seine Mitarbeiter nicht verliert. Zum Glück lebt unser ganzes Team diese Art von Serviceverständnis und Innovationsbereitschaft.

Worin unterscheidet sich die Führungsaufgabe heute im Mittelstand zu dem früher im Konzern? Was mussten Sie neu lernen?

Ich erlebe die Führung individueller und persönlicher. Man erfährt auch die Verantwortung für seine Mitarbeiter konkreter. Strukturelle Veränderungen haben immer direkten Einfluss auf das Leben und die Familien der Mitarbeiter. Dies erfährt man beim Mittelständler unmittelbarer. Dabei war meine Lernkurve in den vergangenen fünf Jahren enorm. Als Mittelständler habe ich eben keine Fachabteilung, die mir zuarbeitet. So sehr, wie ich dies an manchen Stellen vermisst habe, so musste ich mir dieses Wissen eben selbst erarbeiten.

Was können Sie anderen raten, die ähnliche Schritte überlegen und vom Big Player zum Mittelstand wechseln?

Ich glaube, dass dies eine sehr persönliche Entscheidung ist. Am Ende sollte man danach entscheiden, wo man gut ist und was einen motiviert. Allerdings muss man sich bewusst machen, was so ein Wechsel in seiner gesamten Fülle bedeuten kann. Im Mittelstand zu arbeiten heißt auch mal, sehr operativ tätig zu sein. Wer Freude an der internationalen Zusammenarbeit hat, sollte sich auch einen solchen Arbeitgeber suchen. Einen generellen Rat gibt es also nicht, sondern am Ende muss die Herausforderung der Position und die Eigenarten des Arbeitgebers mit den eigenen Fähigkeiten, Vorstellungen und Motivationen zusammenpassen.

Welche Themen treiben Sie derzeit um? Wie wirkt die digitale Transformation in Ihrer Branche und wie können Sie dem Druck begegnen?

Die Versorgung mit Hilfsmittel, insbesondere Kompressionsstrümpfen ist heute noch geprägt durch einen hohen Grad an manueller Tätigkeit. Dies hat in Zeiten des Fachkräftemangels und des zunehmenden Kostendrucks Folgen für die Versorgung von Patienten. Optimierte Prozesse, z.B. durch eine Digitalisierung, können hier helfen. Nach meiner Meinung werden wir zukünftig nicht mehr Produkte, sondern Workflows verkaufen. Diesen Change-Prozess wollen wir mitgestalten.
Wir haben nicht die „big budgets“ und auch nicht die Manpower von Großkonzernen, aber wir versuchen, mit Kreativität trotzdem Trendsetter zu sein und eben immer die eine Idee dem Wettbewerber voraus zu sein. Bis jetzt gelang uns dies ganz gut. Aber es heißt eben nie aufzuhören, nie nachzulassen immer besser zu werden.

Vita:

Frank Düx (geboren 1969) ist Biologe. Nach seinem Studium an der Universität Bonn und einer Promotion am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie führten ihn seine Freude an der Arbeit mit Menschen und sein Interesse für Marketing in die Industrie. 13 Jahre war er für einen internationalen Pharma-Großkonzern als Produktmanager und Marketingdirektor tätig, ehe er 2013 zu einem mittelständischen Unternehmen wechselte. 2017 wurde er zum Geschäftsführer bestellt.