5 Fragen an Christoph Schulte

Wie man als mittelständisches Ingenieurbüro neben Big Playern bestehen kann und warum Softwareprogramme allein keine gute Planung ersetzen, erklärt Christoph Schulte vom Ingenieurbüro Otto und Partner in Hamburg.

Foto: IB Otto

Christoph Schulte, das Ingenieurbüro Otto & Partner gehört mit rund 30 Mitarbeitenden nicht zu den Big Playern am Markt. Wo ist ihre Chance als Ingenieurbüro und warum?

Wir sind Spezialisten für die Technische Gebäudeausrüstung in den Bereichen Planung, Beratung und Objektüberwachung. Mit unserem Team sind wir kein „Big Player“, aber deutlich größer aufgestellt im Vergleich zu den kleinen Büros aus 1 bis 3 Planern und setzen so deutlich effizienter Projekte für unsere Kunden um. Mit unserer Marktpräsenz seit mehr als 30 Jahren haben wir uns einen soliden Kundenstamm erarbeitet und können flexibel auf Anfragen und Aufgaben reagieren.
Wir finden uns in Projekten, welche für die „kleinen“ Büros zu umfangreich sind und für die Big Player nicht das Kerngeschäft ausmachen. Flughäfen oder Einkaufszentren sind bei unserer Akquise nicht im Fokus. Unsere Projekte sind breitgefächert: von Büro- und Gewerbeobjekten über öffentliche Gebäude wie Schulen, Sporthallen und Kindergärten, oder auch Theater und Kirchen. Einen großen Bereich unserer Planungsaufgaben nimmt der Wohnungsbau in Neu- und Altbausanierung ein, alles in der Metropolregion Hamburg, wo wir gut vernetzt sind.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Sanierung von Gebäuden in genutztem Zustand. Das heißt, bewohnte Wohnungen, Pflegeeinrichtungen und Büroflächen werden von uns in extrem koordinierten und kontrollierten Arbeitsschritten umgebaut oder saniert, ohne dass die Nutzer über Gebühr beeinträchtigt oder überfordert werden. Hierfür können wir auf eine große Erfahrung und erfolgreiche Umsetzungskonzepte zurückgreifen, welche wir für die einzelnen Aufträge entsprechend anpassen und optimieren. Da die meisten unserer planenden Ingenieurinnen und Ingenieure vor ihrem Studium eine handwerkliche Ausbildung absolviert haben, können wir Projekte nicht nur aus Planersicht sondern auch aus der Handwerkersicht fachlich und in der Umsetzung beurteilen.

Ist Wachsen eine Option fürs Unternehmen? Worin besteht ihr Vorteil als kleine Firma?

Mit unserer Unternehmensgröße sind wir in einem Bereich, der es uns ermöglicht, über flache Hierarchien und Informationswege schnell und effektiv Projekte abzuarbeiten und auf Probleme zu reagieren. Zudem können wir als geschäftsführende Partner das Büro und alle Aufgaben bei unserer Unternehmensgröße noch sicher überblicken und steuern und sind für unsere Mitarbeitenden ansprechbar.
Mit unseren Teams sind wir in der Lage, unseren Kunden alle Bereiche der technischen Gebäudeausrüstung aus „einer Hand“ anzubieten. Viele Mitbewerber haben sich entweder auf die Bereiche Sanitär, Heizung und Lüftung oder aber die Elektrotechnik festgelegt. Dadurch, dass wir eine integrale Planung im Haus koordinieren können, entfallen viele Schnittstellenprobleme und die Planung kann effizienter für unsere Kunden umgesetzt werden.
Wachstum in eine nächst sinnvolle Größe erfordert neben den Projekten auch neue und angepasste Managementlösungen. Mein Einstieg als Partner ist ein erster Schritt in diese Richtung. Anpassungen im Projektmanagement und Controlling werden aktuell getestet und schrittweise eingeführt. Nur so ist ein gesundes Wachstum möglich.

Fachkräfte aus den Ingenieur-Fächern werden händeringend gesucht, gerne auch abgeworben. Wie können Sie Ihre Belegschaft halten? Was wird von Ihnen als Arbeitgeber erwartet?

Durch den demografischen Wandel und den allgegenwärtigen Fachkräftemangel sehen wir es als zwingend, einen neuen Umgang mit der „Arbeit“ bzw. dem, was wir bis jetzt als Arbeit im Büro verstanden haben, zu gestalten. Mitarbeiter fordern diesen neuen Umgang ein; Themen wie Sabbatical, Elternzeit, Homeoffice und mobiles Arbeiten werden angefragt und setzen neue Methoden und Tools voraus. Ein selbstständiges und selbstbestimmtes Arbeiten der Mitarbeiter und das notwendige Controlling der Projektfortschritte muss durch die Leitungsebene möglich gemacht und gewollt werden. Wir versuchen hier, vorrausschauend die individuellen Lebensplanungen zu unterstützen, um eine möglichst hohe Mitarbeiterbindung zu ermöglichen.
Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ist bei uns ein großes Thema. Über flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit von mobilem Arbeiten können wir unseren Mitarbeitenden es ermöglichen, auch kurzfristig auf Krankheit von Kindern, Ausfall der Betreuung oder ähnliches zu reagieren. Im Gegenzug erwarten wir aber auch eine konzentrierte und effektive Arbeit in den Projekten. Wir fordern, dass sich die Mitarbeitenden intern und extern weiterbilden. Absolventen begleiten wir als Zweitprüfer für ihre Bachelor oder Masterthesis zu ihrem Abschluss. Und auch Systemplaner werden von uns bei ihrer Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker unterstützt.
Neue Mitarbeitende zu finden ist zurzeit sehr schwer. Hier müssen wir den Kontakt zu Universitäten, Studierenden und Handelskammern intensivieren. Jeder motivierte Mitarbeiter hat bei uns die Möglichkeit, schnell Fach-Verantwortung bis hin zur Projektleitung zu übernehmen. Durch Vergabe von Fachaufgaben ermöglichen wir es zudem, sich hier als Spezialist zu qualifizieren.

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer Branche mit Frauen im Ingenieurberuf und welche Erfahrungen machen die Frauen selber? Ist das eine Reserve, die noch stärker genutzt werden kann?

Mit einem Anteil von 50 % Mitarbeiterinnen wäre die Einführung einer Frauenquote für uns kein Thema. Hier ist es für uns in der Fachplanung in unseren Teams völlig irrelevant, wie dieses Team sich aus Frauen und Männern zusammensetzt. Auch im Umgang mit Bauherrn und Architekten sind für uns keinerlei Unterschiede in der Kommunikation festzustellen. Vielmehr sind auch hier zunehmend die Auftraggeber und Architekten mit gemischten Teams in den Abstimmungen als Planungspartner präsent. Natürlich sehen wir – auch aufgrund des Fachkräftemangels – große Chancen für Ingenieurinnen, in die Fachplanung der Gebäudetechnik einzusteigen und sich zu entwickeln.

Wie wirkt die digitale Transformation in die Baubranche und was bedeutet das ganz konkret für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Welche Herausforderungen sind insgesamt zu bewältigen?

Projekte werden immer schneller durch digitale Modelle und Berechnungsmethoden entwickelt, die Planung wird durch neue Methoden, wie z. B. BIM (Building Information Modeling), kleinteiliger und durchgehend digital erstellt, die Bauausführung wird durch komplexe Baustellenlogistik klarer strukturiert.
Der Faktor „Mensch“ und die noch vor zehn Jahren vorhandenen Freiräume, Planung auch im Bauprozess noch korrigieren zu können, werden dadurch deutlich eingeschränkt. Es werden Fachleute wie Architekten und Ingenieure mehr und mehr in die digitale Planung „gedrängt“ und die Anwendung der benannten Anforderungen werden durch Auftraggeber und Gesetzgeber gefordert.
Einerseits ermöglichen die immer komplexeren Programme sehr detaillierte Planungen. Wir haben aber andererseits festgestellt, dass diese Programme aufgrund der vielen Parametereinstellungen nicht immer sofort das korrekte Ergebnis liefern. Hier sind alle Mitarbeitenden gefordert, die Ergebnisse immer mit ihrem Fachwissen abzugleichen und ggf. Berechnungsparameter entsprechend nachzujustieren.
Neue Werkzeuge, ein neuer Umgang mit Informationen und schnelle Kommunikationswege sind aber nicht für alle Mitarbeiter selbstverständlich. Was für den Einen Erleichterung und Unterstützung bei der täglichen Arbeit bedeutet, erzeugt bei anderen mehr Stress. Hier sehen wir die Aufgabe bei der Geschäftsführung, die Schwerpunkte und Fähigkeiten bei den Mitarbeitenden neu zu finden und durch gezielte Weiterbildung oder geänderte Aufgabenverteilung sinnvoll einzuordnen.
Die digitalen Veränderungen in unserem doch eher konservativen Umfeld sind sehr weitrechend und stehen noch am Anfang. Wir sehen hier die Herausforderung, unser Unternehmen für diesen Umbruch richtig aufzustellen und mit zu gestalten.

Zur Person:

Nach einer Ausbildung zum Elektro-Installateur und staatlich geprüftem Techniker studierte Christoph Schulte (Jahrgang 1972) an der Fachhochschule Dortmund und schloss als Diplom-Ingenieur für Elektronik mit dem Schwerpunkt Gebäudesystemtechnik ab. 2003 kam er zum Ingenieurbüro Otto & Partner. Seit Januar 2019 ist Christoph Schulte einer der vier Partner der Firma und verantwortet den Bereich Elektrotechnik.

Aktuelle Jobangebote Ingenieurbüro Otto & Partner:

https://ibotto.de/karriere/

Kontakt:

XING: https://www.xing.com/profile/Christoph_Schulte38/cv
Web: https://ibotto.de/
Twitter: @ibotto_tga
Instagram: ibotto_tga