Denkfutter: Welche Floskeln Kandidaten in Stellenanzeigen nicht lesen sollten

Der Platz in Stellenanzeigen ist zu wertvoll, als dass er mit Floskeln und Selbstverständlichkeiten gefüllt werden sollte.

2016 schrieb eine Beraterkollegin in einer Kolumne für die Bilanz unter der Überschrift „Freigeister gesucht – Langeweile geboten“ darüber, dass Unternehmen in Stellenanzeigen manchmal Widersprüche produzieren, die im besten Falle für Heiterkeit und im schlechtesten Falle dafür sorgen, dass keine Bewerbungen kommen. In Zeiten von Fachkräftemangel ist das problematisch und für viele Unternehmen, die mit Bewerbermangel kämpfen, sogar fahrlässig.

So fand sich beispielsweise der Hinweis in einer Stellenanzeige für einen Projektleiter: „Wir bieten Ihnen viel Gestaltungsspielraum… in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung.“ Dass das neben der hier zu erwartenden gestalterischen Enge auch etwas bedrohlich wirkt, ist vermutlich den Verfassern der Anzeige nicht in den Sinn gekommen. Es beschreibt zugleich das künftige Dilemma eines potenziellen neuen Mitarbeiters. Insofern muss man dieser Anzeige zumindest zugutehalten, dass sie für Klarheit sorgt.

Was sich der Verfasser der folgenden Zeilen in einer Anzeige für eine kaufmännische Funktion (Sachbearbeitung) dachte, wissen wir nicht. „Sie sind detailorientiertes Arbeiten gewohnt, verfügen über kreatives Denken und Arbeiten.“ Natürlich schließen sich Kreativität und Detailorientierung per se nicht aus, trotzdem ist auch das für Kandidatinnen und Kandidaten unauflösbar und zumindest in einem Bewerbungsgespräch zu hinterfragen: Soll ich nun den Blick für das Detail oder eher den ganzheitlichen Blick im Sinne einer kreativen Arbeitsweise haben?

Weitere Textperlen verbergen sich hinter „Befähigung und Bereitschaft zur Führung eines Dienst-KFZ“. Dass ein PKW-Führerschein erwartet wird, hätte es auch getan und unter Angebot hätte sich „Dienstwagen als weiterer Vertragsbestandteil“ auch gut gemacht.
Oder: „Unsere Mitarbeiter verfügen über höchste Kompetenz…und verstehen jeden Tag als Chance, die Zukunft aktiv zu gestalten.“ Das verheißt einen sehr anstrengenden Job.
„Bei XY-Firma arbeiten Sie bei einem der bedeutendsten XY-Büros Deutschlands. “ Wenn das Unternehmen nur 100 Mitarbeiter hat, stellt sich für Interessierte die Frage, wie glaubwürdig solche Aussagen sind.

Und es ist prinzipiell einmal zu überdenken, ob es nicht zum allgemeinen Skill-Set eines jeden Mitarbeiters – sofern er nicht in einem Ein-Mann-Unternehmen arbeitet – gehört, teamfähig zu sein, mit kooperativem Arbeitsstil, hoher Einsatzbereitschaft und Aufgeschlossenheit. Jedes Unternehmen, egal in welcher Branche oder auf welcher Ebene, benötigt Fachkräfte mit diesen Eigenschaften und Kompetenzen. Und wenn dies Selbstverständlichkeiten sind, dann kann der wertvolle Platz in einer Stellenanzeige für die wirklich relevanten, weil auf die Position bezogenen Qualifikationen, genutzt werden.

Unsere 5 Tipps für eine „anregende“ Stellenanzeige

  • 4-Augen-Prinzip beachten: Lesen Sie den Anzeigentext unter dem Gesichtspunkt, ob Sie sich selbst auf die Stelle bewerben würden? Sind hier Selbstverständlichkeiten formuliert oder die Anforderungen an der Tätigkeit ausgerichtet? Hier hilft durchaus der kritische Blick einer fachfremden Person.
  • Widersprüchlichkeiten vermeiden: Unbedingt darauf achten, keine sich ausschließenden Anforderungen zu formulieren.
  • Weniger ist mehr: Formulieren Sie wenige Hauptaufgaben, relevante Anforderungen, spezielle Qualifikationen, die beispielsweise unerlässlich für die Position sind. Alles Weitere lässt sich im Gespräch mit der Kandidatin oder dem Kandidaten klären.
  • Atmosphäre zeigen: Klingt simpel, ist es aber nicht. Die Stellenanzeige sollte etwas über das Unternehmen erzählen, die Atmosphäre im Unternehmen anklingen lassen.
  • Lebendigen Wortschatz benutzen: Verwenden Sie weniger Substantivierungen wie „Sicherstellung der Erreichung der Umsatzziele…“, sondern stattdessen aktive, anregende Formulierungen.