5 Fragen an Heike Löffler

Wie man binnen eines Jahres ein Technologieunternehmen mit über 80 Mitarbeitern erfolgreich aufbaut und wie Digitalisierung dabei helfen kann, Mobilität in Städten nachhaltig zu verbessern, davon berichtet Heike Löffler.

Foto: privat

Heike Löffler, was verbirgt sich hinter Mobimeo?

Mobimeo ist ein Technologieunternehmen und wurde 2018 als Tochterunternehmen der Deutschen Bahn gegründet. Wir entwickeln mobile Applikationen für Alltagsmobilität, die es den Menschen erleichtern soll, von A nach B zu kommen, ihre Wege miteinander intelligent zu verknüpfen, ohne das Privatauto zu nutzen. Damit können wir ihnen helfen, den ÖPNV mit verschiedenen Sharing-Angeboten wie Leihfahrräder oder E-Scooter zu verbinden. Sie werden dabei unterstützt, die Variante zu finden, die zu ihren persönlichen Präferenzen und der jeweiligen Situation passt. Mit den Apps von Mobimeo geht es nicht darum, Produkte für eine digital affine Zielgruppe zu bauen. Vielmehr sollen mit einer intuitiven Nutzerführung alle Menschen erreicht werden.
Unsere Partner und Auftraggeber sind Verkehrsunternehmen und -verbünde sowie Sharingpartner, die in einer Region agieren, und mit deren Hilfe die Menschen vor Ort mobil sein können. Um es klar zu benennen, unsere Produkte richten sich in erster Linie an die Menschen in den Städten, im urbanen Raum. Aber selbst für den ländlichen Raum sehen wir gute Chancen, z.B. indem wir On-Demand-Shuttle-Lösungen als Zubringer zu den Regionalbahnen integrieren.
Unsere Vision ist es, dass die Menschen immer öfter ihr Privatauto stehen lassen und dennoch den Vorteil individueller Mobilität nutzen. Mobilität, wie sich Menschen zukünftig in Städten und Ballungsräumen bewegen, wird sich ändern (müssen). Aber das ist eine großartige Chance und wir arbeiten an nutzerorientierten Anwendungen, um einen möglichst einfachen Zugang zu neuen Mobilitätsoptionen zu schaffen.

Wodurch unterscheiden Sie sich von anderen Plattformentwicklern?

Öffentliche Mobilität und Tarifsysteme sind eine hochkomplexe Aufgabe. Mehr Vielfalt und mehr Optionen machen es aus Kundensicht auch nicht automatisch besser – oft gleicht die Frage nach dem besten Verkehrsmittel eher einem unlösbaren Puzzle. Unser Fokus ist es, unsere Apps nicht mit vielen Funktion zu überlasten, sondern auf das Wesentliche zu reduzieren und den Fokus auf eine einfache Nutzerführung zu legen. So zeigen wir nur eine reduzierte Anzahl an Reiseoptionen an; auch ein Autonavigationssytem schlägt nicht 20 mögliche Routen vor, sondern die eine bzw. maximal drei besten. Multimodale Angebote bieten wir nur an, wenn sie zu den persönlichen Präferenzen und der jeweiligen Situation passen. Wenn es regnet, werden nur die wenigsten sich auf das Fahrrad schwingen. Ganz wichtig – unser Fokus liegt nicht allein auf Routensuche und Ticketkauf, sondern wir begleiten Nutzer durch den Alltagsverkehr. Unsere Produkte erinnern an das Ein- und Umsteigen, zeigen Laufwege an inklusive der richtigen Eingänge zur U-Bahn und suchen alternative Verbindungen im Störungsfall. Ziel ist es, dass sich unsere Nutzer möglichst entspannt durch den Alltag bewegen können. Unser großer Vorteil ist es, unser Technologie-Know-how mit unserer langjährigen Expertise zum Nahverkehrsmarkt kombinieren zu können.

Welche Voraussetzungen müssen diejenigen mitbringen, die bei Mobimeo arbeiten?

Unter den etwa 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben wir natürlich ein großes Produkt- und Tech-Team mit allen nötigen Expertisen von der Entwicklung und dem UX-Design über Customer-Research bis hin zum maschinellen Lernen. Interdisziplinäres, abteilungsübergreifendes Arbeiten sehen wir als einen Erfolgsfaktor. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir mit mehr als 20 Nationen sehr divers aufgestellt sind. Englisch ist unsere Arbeitssprache, wir wollen für die besten Talente dieser Welt ein attraktiver Arbeitgeber sein. Dass wir in Berlin sitzen, ist nur zu verständlich. Was natürlich auch dazu gehört, dass in flachen Hierarchien viel Eigeninitiative vorhanden sein muss, Aufgaben zu sehen; aber auch die Lust am Ausprobieren, gemeinsam mit anderen an einer Idee zu arbeiten.
Und auch Führung versuchen wir modern zu gestalten: Führung heißt, starke Teams aufzubauen und Verantwortung abzugeben, die Fähigkeiten jedes Einzelnen maximal zu nutzen und dennoch in entscheidenden Momenten immer ansprechbar zu sein und klare Entscheidungen zu treffen.

Frauen in einem Technologie-Unternehmen: Mit welchen Herausforderungen haben Sie zu kämpfen?

Um es klar zu sagen: Frauen in Tech und Mobilität sind noch kein Selbstläufer. Wir hätten gerne noch mehr Bewerberinnen für alle Bereiche, in denen wir rekrutieren. Wenn sich weniger junge Frauen für IT- und Tech-Studiengänge entscheiden, setzt sich das bei uns fort. Wir haben insofern Glück, weil wir international rekrutieren können und so beispielsweise sowohl die Leitung des Teams für maschinelles Lernen als auch des Entwickler-Teams mit weiblichen Führungskräften besetzen konnten. Allen unseren Mitarbeitern bieten wir nicht nur Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, sondern auch eine Plattform für die eigene Karriere – natürlich auch für unsere weiblichen Experten. Bei Podien, auf Kongressen, überall wo wir angefragt werden, geben wir unseren Kolleginnen die Chance, Vorträge zu halten, sichtbar zu sein. Das schafft auch Rolemodels für andere. Überall, wo wir als Mobimeo sichtbar sind, werden auch unsere Kolleginnen sichtbar. Wir sind überzeugt, dass auch das Teil unseres Erfolgs ist.
Auch im Hinblick auf Arbeitsmodelle haben wir Lösungen, damit Familienzeit und Arbeit miteinander harmonieren. Vielleicht überzeugt ja das: Mein Sohn beispielsweise ist genauso alt wie das Unternehmen Mobimeo. Im Übrigen ist das längst kein frauenspezifisches Thema mehr. Auch unsere Väter bringen ihre Kinder mal mit ins Büro, z.B. wenn die Kita geschlossen ist. Das Büro ist danach meist um bunte Zeichnungen auf den Whiteboards und Flipcharts reicher.

Der Kampf um die Köpfe, um passendes Personal, das sich in der digitalen Welt auskennt, wird sich weiter verschärfen. Wie können und müssen Unternehmen agieren?

Als Unternehmen muss man eine klare Vision haben. Man braucht etwas, was das Team in die gleiche Richtung ziehen lässt. Das Ziel, Mobilität nachhaltig in Städten zu verändern, treibt uns bei der täglichen Arbeit an. Darüber hinaus wird es immer wichtiger, sich über eine gemeinsame Kultur und die Werte innerhalb der Firma zu verständigen und diese Kultur auch zu leben. Beispielsweise ist „Building Partnerships“ ein zentraler Wert für mein Team. In einer stark vernetzten Gesellschaft werden wir stärker partnerschaftlich agieren müssen. Wir wollen nicht nur Technologie entwickeln, sondern die oft noch traditionelle Mobilitätsbranche im Bereich Digitalisierung voranbringen. Für die Endnutzer wollen wir den besten Zugang zur öffentlichen Mobilität bieten. Das können wir aber nur gemeinsam mit unseren Mobilitätspartnern, die täglich Millionen von Menschen bewegen.

Mehr unter: https://mobimeo.com/

Zur Person:

Heike Löffler leitet als Chief Commercial Officer (CCO) den Go-to-Market Bereich bei Mobimeo, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. Als eines der ersten Mitglieder der Geschäftsführung hat sie Mobimeo mit aufgebaut – vom ersten Teammitglied auf inzwischen mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Bereits seit 2010 arbeitet Heike Löffler bei der Deutschen Bahn, zuletzt als Leiterin der Practice Mobilität bei DB Management Consulting. Zuvor war sie als Unternehmensberaterin bei Simon Kucher & Partners tätig. Ihr Studium in Betriebswirtschaft hat sie an der Universität Potsdam absolviert.